Traditionen heute


Traditionen heute – Teil VI

Wie wird denn heute über Traditionen und Werte bei uns diskutiert, wie blicken wir heute darauf? Die Pauschalisierungen, die seltsamen Betonungen auf unsere Werte, erscheint mir sehr einseitig, engstirnig, und für allerlei „ benutzt“, was ich für unangebracht halte und nicht von Gelassenheit und Selbstsicherheit geprägt wird. Ziel führend auf keinen Fall es führt in eine „Sackgasse“.

Zu bedenken wäre aber schon, sich darauf zu besinnen, was leben wir Älteren den Jüngeren vor, welche Prioritäten setzen wir, wenn Werte und Traditionen nur noch zu Floskeln verkommen oder zur Abgrenzung benutzt werden, die Bedeutungen verloren gehen, der eigentliche Nutzen und Sinn dahinter.

In jungen Jahren, je nach Elterhaus, wird die Pflege, die immer gleichen Wiederholungen, oft als lästig oder nervig angesehen, weil wir ja die große Welt entdecken wollen. Schauen wir aber genau darauf, dann entdecken wir In fremden Kulturen diese Rituale, die wir natürlich erst mal sehr viel interessanter finden, da wir nicht eingebunden und nicht mit diesen leben. Dabei dienen sie zum selben Zweck, dass wir sie uns einprägen, zum Leben dazugehören, die Eintönigkeit unterbrechen. Gemeinschaften entstehen, Zugehörigkeit, Festigung des Familienverbundes, bzw. der Gemeinschaften. Es kann Halt geben in einer unsicheren Zeit. Allerdings ergeben sich daraus Pflichten, Verantwortung, Erwartungen, die man nicht immer erfüllen kann, oder als Einengung, ja sogar als Zwang empfinden kann. Mit Offenheit und Freiwilligkeit und mehr Gelassenheit würde weniger Streit im Umgang mit diesem Thema erzeugt. Die Lebensentwürfe sind individuell sehr verschieden, jeder hat seine eigenen Vorstellungen und Wünsche, dies es zu respektieren gilt. Je nach Zugehörigkeit hat ein einzelner oft keine andere Wahl, als sich Traditionen zu unterwerfen, sich den zu entziehen nicht immer möglich.

In Afrika konnte ich dies beobachten, weil die Familienstrukturen völlig anders geartet sind, verschiedene Väter oder Mütter, viele Kinder, die Verwandtschaftsverhältnisse anders, in weit entfernten Gegenden verstreut lebend Kinder auch zu Verwandten gegeben werden, wenn eine zweite Frau ins Haus kommt, oder dort bessere Verhältnisse (Schule, Universität, Arbeit) oder für die Mädchen ein Heiratskandidat vorgesehen, dann in dieser neuen Umgebung sich einfügen, oft auch unterordnen mussen. Männer nomadisch umherziehen, um eine Arbeit zu finden. Die haben eine engere Verbindung, wenn sie aus derselben Gegend, demselben Dorf, oder derselben ethnischen Gruppe angehören, durch die Initiationsrituale eine engere Bindung untereinander behalten. (ein eigenes Thema) Der Kontinent mit Wüstengebieten, Urwaldgebieten, Trockengebieten, Savannen, auch hohe Berge, große Flüsse, Seen, Vulkane, Millionenstädte, Dörfer, Meeresküsten, dem Klima, den Wüstenstürmen, der Regenzeit, die Anpassungsfähigkeiten der Afrikaner unabdingbar, nicht  vergleichbar mit unseren Verhältnissen. 

In vielen Unterhaltungen z.B. mit meinem „ gardier Abou“ in Afrika, in denen er mir erzählt hat, dass er einige der afrikanischen Traditionen (z.B. Festlichkeiten an islamischen Feiertage, Geburten, Hochzeiten, Begräbnisse) nicht mittragen möchte, da er sie als unsinnig, bzw. überflüssig hält. Er sagt, die Feierlichkeiten verschlingen viel Geld, was die Leute eigentlich nicht besitzen, bei Einladungen zu viele Gäste, die bewirtet werden müssen, untergebracht für einige Tage, neue Klamotten, es wird vom Gastgeber zuviel erwartet, als selbstverständlich angesehen, nicht immer vertragen sich die Frauen mit ihren vielen Kindern untereinander. Probleme beim Verteilen der Arbeit, Kinder beaufsichtigen, Kochen, Putzen etc. Statussymbole gibt es auch hier, gepflegtes Aussehen, gesunde Kinder, eine geordnete Haushaltsführung, Unterkunft. Das Ansehen im Dorf  wird hoch bewertet. Welchem Stamm, bzw. welcher ethnischen Gruppe man angehört, hat Priorität. Andererseits ergeben sich hohe Verpflichtungen, die ganz selbstverständlich eingefordert werden. Als sein großer Bruder bei einem Unfall ums Leben kam, wurde von ihm erwartet, dass er sich um die Frau seines Bruders kümmern muss, das heißt. für sie u sorgen (Unterkunft und Essen) die Kinder werden in der großen Familie aufgeteilt. In Notzeiten das Überleben nur durch den Zusammenhalt, möglich. Jeder der dazu beitragen kann, sich dazu verpflichtet.

Erinnern wir uns, dass es bei uns früher auch so gehandhabt worden ist. In unserer Zeit heute aber im Allgemeinen nicht mehr möglich, Beruf, eigene Familie, auch neue „ patchwork“ Familien mit dazugekommenen Kindern, meist von den Eltern getrennt lebend, oder Alleinerziehend, sich um die Belange der Eltern in ausreichendem Maße zu kümmern, oder gar über einen längeren Zeitraum, zu pflegen. Oft sind die Entfernungen zu groß, um überhaupt am Leben der Eltern Teil zu haben, vor allem wenn ein Elternteil übrig bleibt. Das Ansehen, Status einer Familie, ausschlaggebend für einen gewissen Bonus, gewisse Privilegien zu genießen ( Beamte, Staatsbedienstete, Ärzte, Intellektuelle anderer Art) oder tüchtige etablierte Handwerkerfamilie, erfolgreiche Industrielle; Begüterte) Alles, was das moderne Leben einfordert oder die errungen Freiheiten, Bequemlichkeiten, bieten uns viele Möglichkeiten, mit  allen Vorteilen und Nachteilen. Durch hohen Stressanteil, hohe Erwartungen und Ansprüchen, einem hohen Lebensstandart zu erhalten, um angesehen zu sein, Erfolge vorzuweisen, bleibt nicht sehr viel Zeit, die Traditionen weiter zu pflegen. Die ältere Generation tut sich häufig schwer damit, dies zu akzeptieren, oder sich an eigenen Ritualen festzuhalten, sein eigenes Leben annehmlich zu gestalten. Die Vereinzelung, hinzukommende Beschwerden oder Krankheiten, eine Herausforderung, die wir alle, so gut es eben geht, zu meistern haben.Sich selbst nicht aufs „ Abstellgleis“ zu stellen, sich mit den Begebenheiten, den

 

Veränderungen anfreunden, annehmen, teilnehmen, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten, denn die Welt gehört uns allen.

       

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht von

afrikafrau

Afrika begeistert - viele Jahre in diversen Ländern, auf vorgelagerten Inseln unterwegs-

2 Gedanken zu „Traditionen heute“

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