Paradiesisch???


Die Suche nach dem Paradies-Tourismus – Segen und Fluch zugleich

Auf einer meiner Reise, diese wurde als „Sene-Gambia-Abenteuer-Rundreise“ angeboten, weckte meine Neugier. Eine geführte Rundreise mit einem deutschsprechenden Reiseleiter „Sehouna“. Die Teilnehmer, eine  kleine Gruppe, die aus Ehepaaren und Einzelpersonen mit unterschiedlicher Intension, dieses Abenteuer zusammen unternehmen wird. Der erste Kulturschock für mich nach einer langen Busfahrt, die erste Übernachtung in der Hauptstadt von Gambia, in Banjul. Schnell hochgezogene Beton-Bunker und Bungalow-Anlagen, direkt am Strand,  damals nicht so exklusiv und für viele Reisende erschwinglich. Beim Abendessen tauchten Gestalten auf, schlampige zugedröhnte Figuren, jüngere Leute, vereinzelt einige wenige englischsprachige ladies. Das Hotelzimmer, einfach mit Dusche, die nur tröpfelte, bei der schwülen Hitze erwarteten wir mehr. Ehe wir losfuhren, ein Blick auf den bevölkerten Strand, das löste den 2. Schock  aus. Viel üppiges Fleisch, frei dargeboten, von smarten jungen schwarzen umschwärmt, in einer Weise, die Unbehagen in mir auslösten. Mit diesem Bild verließen wir die Stadt. Aber es ging ja weiter in das Landesinnere. Landschaftlich bezaubernd mit Regenwald, wo die Meerkatzen auf uns herabblickten, Mangrovenwälder, am Flussufer Reiher und andere Wasservögel, wir besuchten kleine Dörfer, die mit der Herstellung von Palmöl, oder Palmschnaps ihr Auskommen verdienten, ja und es wurden auch Drogen angebaut und verkauft, nicht öffentlich, aber unter der Hand. Ein Teilnehmer unserer Gruppe hatte es darauf abgesehen. Ananas- Plantagen, Erdnussfelder, Gemüse-Anbau, Ziegenhirten, mit Stolz wurde uns dies alles vorgeführt und von „Sehouna“ auch liebevoll erklärt. Das Abbrennen der Felder, macht durchaus Sinn. Besichtigung eines Regenhauses, in dem der Regen eingefangen und zur Bewässerung benutzbar gemacht werden konnte. Kalebassen – getrocknete Kürbisse bewundern, mit Verziehrungen, kunstvoll eingebrannt, eine sehr lebendige traditionelle Musik, traditionelle Tanzvorführungen. Die bunten lebhaften Märkten unter freiem Himmel zu durchstreifen, an einfachen Ständen Leckereien, in einfachen kleinen Restaurants afrikanisches Essen zu testen, und viele andere Sehenswürdigkeiten besichtigen, welch reiche Kultur. Wir bekamen aber auch Armut, Krankheit, Wasserknappheit, Müllhalden zu sehen, die ja auch eine Auswirkung des schnell wachsenden Tourismus waren. In den wunderschön gelegenen Camps am Flussufer teilweise katastrophale hygienische Zustände in den Sanitäranlagen bei großer Hitze es ratsam schien, sie nicht zu benutzen. Am Fluss kämpften wir gegen die Moskitos an, die trotz Moskitonetzen ihr Ziel erreichten. Einige der Teilnehmer kämpften wohl gegen ganz andere Dämonen an. Erinnere mich an eine Teilnehmerin, die mit ihrem verstorbenen Vater Kontakt aufnehmen wollte mit einem afrikanischen Ritual, ob es geklappt hat, habe ich nie erfahren. Ein Ehepaar hat sich regelmäßig gestritten, einen Tag mussten wir die weggelaufene Ehefrau wieder einfangen. Sehouna blieb bei allen Problemen immer sehr gelassen und freundlich, versuchte ein differenziertes Bild seines Landes zu vermitteln. Die letzten zwei Tage verbrachten wir in der Cassamance, im Senegal in einem Camp am Meer. Das war der Beginn meiner Endeckungsreisen in den Senegal.

Senegal

In den ersten Jahren gab es  kaum Hotel-Anlagen direkt am Meer. Ein leerstehendes heruntergekommenes Hotel, das vom ersten Tourismusboom übriggeblieben war, erinnerte an bessere Zeiten. Versteckte Camps für Rucksacktouristen, den All-inklusiv-Club, in dem ganze Charterflüge abgeladen wurden, das Gelände kaum verließen. Etwas abgeschottet, die Landschaft konnte das gut verkraften. Später geschlossen wieder eröffnet, ein hin und her.Die Zunahme der Hotels an einem der schönsten Strände, bekam man aber kaum die Abwasserrohre zu Gesicht, die ins Meer geleitet wurden, die Müllberge lagen auch außerhalb, später kamen neue Diskotheken, Bars dazu, die Kriminalität, die Prostitution. Der Tourismusboom förderte auch diese Schattenseiten. Plötzlich entstanden Rotlichtviertel, einschlägige Etablissements, wo für Geld alles angeboten wurde. Die Touristen, die für Geld alles bekamen, was sie nur wollten. Einige Reiseleiter waren darunter, die diesen Service in Anspruch nahmen, damit auch noch prahlten. Sehr befremdlich!!Bei den Jungs und Mädels lockte das schnelle Geld, sie verkauften sich buchstäblich. In den Moscheen wurde die mit Argwohn beobachtet, die Imame erlebten die Auswirkungen in Familien, nahmen Obdachlose auf, gaben ihnen eine sichere Schlafstelle und Essen, tagsüber sammelten sie in den Blechdosen, die spärlichen Groschen, die Almosen. die sie abzugeben hatten.

Die „ Taliban-Schüler „ im positiven Sinne, das Auswendiglernen des Koran gehörte zum Programm. Meiner Beobachtung nach war dies dann der Grund, warum die Moscheen, der Einfluss des Islams, der im Senegal sehr moderat und nie aufdringlich in Erscheinung getreten war, ziemlich zunahm. Durch die verschobene Weltpolitik wurden viele neue Moscheen gebaut, mit Unterstützung von allen möglichen Seiten. Die offene Kriminalität nahm ab und wurde zurückgedrängt, die Viertel wieder sicherer.  Es gab sogar Zeiten mit erhöhter Polizeipräsenz, da sonst die Drogenkriminalität in den Senegal übergeschnappt wäre. Die Nachfrage im Rotlichtmilieu zugenommen hatte. Selbst meine einheimischen Nachbarn hatten ihre Zimmer eine zeitlang an dieses Personal vermietet, und für Unruhe und Schlägereien in der Nacht gesorgt. Aber auch davon profitierten, für die Kinder aber eine Gefahr darstellten. Die Mauern boten einen gewissen Schutz, bei Nacht das Elend nicht sichtbar, aber hörbar, selbst bei Tag war Hochbetrieb. Dagegen hilft das Beten dann auch nicht mehr.Die Verwaltungsstrukturen, die Vorschriften und Kontrollen wurden geändert, die Tourismuskarawane beutet jetzt andere Länder aus, der Tourismus im Senegal nimmt rapide ab, die leerstehenden Anlagen bleiben, die versteckte Armut kehrt zurück, das Land bemüht sich um andere Wege und Kooperationen, die weniger Schaden anrichten.

 

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5 Kommentare zu „Paradiesisch???“

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