fremd sein


 

Meine Gedanken zum neuen Besuch bei syrischer Familie,
und was mir auf den Nägeln brennt

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Wir sind eingeladen zum Tee und Kuchen und sitzen
In der Gemeinschaftsküche zusammen.
Zwei, manchmal drei Familien auf einem Flur, oder 5-6 Einzelpersonen.
Im Nebenhaus eine tschetschenische Familie, nebenan ein Syrer,
die anderen Namen auf der Klingeln, geben noch andere Nationalitäten preis.
Afrikaner, Erithräer oder Äthiopier, Tunesier, Marokaner, Menschen aus
Gambia, dem Senegal, Mauretanien usw. in einer anderen Einheit untergebracht.
Der Familienvater, ein hochdotierter Arzt, Onkologe, Krebsarzt .Radiologe und mit vielen Zusatzausbildungen, Redner bei medizinischen Kongressen.Hatte in namhaften Krankenhäusern praktiziert. In Grenoble und Perpignon in Frankreich gearbeitet, deshalb spricht er fließend französisch, englisch sehr gut, in arabischer Sprache verstehe ich nur Wortfetzen, wenn er mit seiner Frau spricht. Er lernt deutsch, spricht auch schon etwas. Die Tochter ca. 9 Jahre alt macht fleißig ihre Hausaufgaben und lernt schnell deutsch. Der größere Sohn ist schwer traumatisiert und lässt sich nicht blicken ( ca. 16 Jahre) das kleinere Geschwisterchen ca. 3 oder 4 Jahre alt wird für die Teestunde der Nachbarin übergeben. Das Familienoberhaupt steht im Mittelpunkt, da mein Kollege, versucht,ihm bei vielen amtlichen Anträgen, Job und Wohnung zu helfen.Trotzdem kann ich mit beiden auch reden ( englisch- ein wenig arabisch) und die Stimmung ein wenig auflockern.
Wie mir mein Kollege erzählte waren Vater und Sohn verschüttet, wenn sie etwas nervös sind, beginnen sie etwas zu stottern. Der Sohn hat wohl große Schwierigkeiten. Bei den kleineren Kindern bemerkt man bei kurzen Besuchen nicht so viel. Aber aus meiner Nachbarschaft weiß ich, die kleineren Kinder
weinen sehr viel.

Welch eine Mühe, Anstrengung und Kraft erfordert es, das Leben so anzunehmen
und eine Schwierigkeit nach der nächsten, zu meistern.
Die Amtspersonen bemühen sich, andere schieben die Verantwortung ab,reden nur und tun gar nichts, Anweisungen, Regelungen, Verordnungen,
Zuständigkeitswirrwarr.
Die Anerkennung fehlt der Familie noch immer, Papiere, Dokumente werden Geprüft ( in Ordnung) wenig Information und Erklärungen, Zuständigkeitsbereiche überschneiden sich. Organisatorisch eine Katastrophe, aber wir bezeichnen uns als die größten Manager, welch ein Kompetenzgerangel und sehr viel Unfähigkeit
wird da im Hintergrund sichtbar.
Man muss sich dies einmal versuchen vorzustellen, wir müssten vor Krieg fliehen,
mit den Kindern, alles zurücklassen, wenn überhaupt noch etwas übrig bleibt,weg aus deinem Land, weg aus deinem bisherigen Leben. Nach vielen weiteren
Fluchtwegen sitzt du dann in einem kleinen Zimmer, mit Gemeinschaftsküche,ohne die Sprache oder Kultur zu kennen, fremdem Verhalten, fremde Sitten, ohne Besitz, nur mit deiner Vergangenheit. Alles ist fremd und alles ist so anders.
Wenn wir plötzlich in einem arabischen oder anderen fremden Land als Bittsteller ankommen müssten, ohne Kenntnisse der Schrift (z.B. Arabische, Russische, oder Griechische..) ohne Kenntnisse der Sprache. Um zu verstehen, sollten wir mal dies überlegen. Die älteren unter uns, wissen wie man sich da fühlen muss.Sie versuchen irgendwie zurechtzukommen, sehr geduldig, sehr höflich.
Wir sind freundlich, manchmal sehr direkt, aber korrekt, pünktlich und ordnungs-
liebend, wir können aber auch besser wissend sein, ja auch arrogant, von oben herab auf Fremde blickend, wenn man viel auf Reisen unterwegs ist und längere Zeit mal im nicht europäischen Ausland unterwegs, erlebt man so einige Überraschungen. Profiteure in den unterschiedlichsten Ausprägungen.
Die Würde zu bewahren, geduldig sein, Verständnis zeigen, neugierig bleiben,jedem Menschen respektvoll begegnen, nicht frech, nein, durchsetzungsfähig ja, all dies wären gute Vorraussetzungen. Ohne Vorurteile durch die Welt gehen, aber nicht unwissend.

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Meine nächste Aufgabe bestand darin, nach offizieller Information, eine tschetschenische Frau zum Arzt zu begleiten, Übersetzung von Deutsch in Französisch.Bei der Ankunft ( Kollege fungiert als Fahrer) stellt sich raus, dass nicht die Frau krank ist, sondern ihr Mann und bereits mit einem russisch sprechenden Nachbar mit der S-Bahn unterwegs zum Arzt. Entweder war nur der Mann informiert,oder überhaupt niemand, die Frau machte keinen verschüchterten Eindruck, sie hatte keine Info. Bedrückt hat sie sich noch entschuldigt.
Mein Eindruck, man redet über die Menschen, aber nicht mit ihnen.
Nicht alle Menschen sprechen eine Fremdsprache, vielleicht fragt man ja auch bei Einsetzung der Leute auf entsprechende Posten erst gar nicht nach.
Persönlich kenne ich aus anderen Quellen, dass ausgebildete Leute sich angeboten haben, frustriert wieder aufgaben.
Persönlich bin ich auch nicht offiziell damit befasst, sondern über andere Kontakte.
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Wir sollten darüber nachdenken, was “ Fremdsein“ bedeutet.

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