Besuch bei Flüchlingsfamilie


al amra0
Besuch im Assylantenheim

Viele Leute reden über Flüchtlinge, leider nicht mit Ihnen selbst.
Eine Gemeinde in der Nähe hatte zu einem Asyl-Kaffee eingeladen. Zu Allererst möchte ich betonen, für mich sind es offiziell Flüchtlinge,ja, denkt daran, es sind Menschen, Familien, ja auch viele junge Männer.
Mein Besuch war angekündigt worden über einen Bekannten, der sich sehr engagiert und der alle Info-Veranstaltungen besucht hatte, Patenschaften übernommen hat. Er verständigt sich in Englisch und hat Kontakt zu den Offiziellen.
Das Assylantenheim liegt ganz am Rande der Ortschaft in einem Industriegebiet.
Die Häuser sind schon etwas älter und wurden die letzten Jahre nicht mehr benutzt.
Wir fahren vor und schauen nach der Einheit, in der die Familie wohnt.In einem kleinen, kalten Zimmer lebt diese Familie mit ihren 3 Kindern.Ein Stockbett, ein Kleiderschrank , ein Ehebett hätte wohl kaum Platz, vielleicht haben die beiden das Bettzeug weggeräumt, da wir angekündigt waren.
Mir schien, es war Ihnen peinlich, uns ins Zimmer zu bitten, da ich einige kleine Geschenke mitgebracht hatte, aber vor anderen Bewohnern nicht ausbreiten wollten.
In den schmalen Gängen, einige Nachbarinnen und draußen vor der Tür junge Männer.
Ein Junge ist 16 Jahre alt, er hockt im obersten Stockbett, am Laptop. Ein Mädchen ist 9 Jahre alt, schmal und dünn und begrüßt uns artig. Das kleine Mädchen ist erst 3 Jahre alt. Sie kommen aus Aleppo in Syrien, der Vater ist Arzt.
Wir wollen nicht lange stören und gehen schon mal in den Gemeinschaftsraum voran. Die ehrenamtlichen Helfer haben schon Kaffee gekocht, Kuchen organisiert und die
Tische festlich gedeckt. Es sind noch nicht viele Leute anwesend.
Nach und nach füllt sich der Raum, zugig und kalt. Die größeren Kinder sind vor der Tür im Gang und eine Frau versucht sie zu beschäftigen. Denn draußen ist es windig,
eine Rutsche und eine Wippe auf spärlichem Rasen, ansonsten Niemandsland. Das Ehepaar kommt zu uns mit an den Tisch. Wir versuchen uns zu unterhalten.Der Mann spricht 4 Sprachen, die Frau spricht auch Englisch, wie die meisten anderen. Meine Arabischkenntnisse nicht mehr ganz frisch, trotzdem freuen sie sich natürlich über all meine Worte und strahlen. Die Kinder lernen schnell deutsch und einige Erwachsene können auch ein paar Brocken. Es muß wahnsinnig anstrengend sein, den Worten von uns Fremden zu folgen und zu verstehen, dass wir etwas erfahren möchten. So erfahren wir, der Arzt ist mit
seiner Familie seit 2 Monaten in Deutschland, war 10 oder 15 Jahre im Krankenhaus tätig, noch in Frankreich für eine weitere Ausbildung, und jetzt sitzt er hier in diesem Niemandsland, kann nicht seinen Beruf ausüben, er bekommt noch keinen Deutsch-
Unterricht, lernt selbst, nur Papiere und Termine von den Ämtern.
Sie sind bescheiden, jammern nicht, wir wissen auch von den traumatischen Erlebnissen,ab und zu kommt der Mann ins Stottern, wenn er aufgeregt ist.Seine hübsche Frau versucht sich nichts anmerken zu lassen und Normalität und Würde
zu behalten wegen der Kinder.
Wie muss sich so eine Familie fühlen, die bestimmt in Syrien zur Mittelschicht zählt und vor dem
Krieg gut leben konnte, vielleicht sogar in einem eigenen Haus. Da ich schon in Syrien und Jordanien gewesen bin und die Gastfreundschaft erleben konnte, versuche ich jetzt etwas
an diese Menschen zurückzugeben. Vorsichtig taste ich mich vor, um die Menschen nicht noch mehr zu überfordern in ihrer schlimmen Situation.Es ist jedoch beschämend, es sind nur vielleicht 3 höchstens 4 Ehepaare sog. „ Einheimische“
zu Besuch gekommen. Von der Nachbarsfamilie konnte ich hören, dass die beiden Ehepaare,eine Küche und ein Badezimmer sich teilen. Die Nachbarsfrau spricht etwas deutsch und englisch,
ein kleines Kind ca. 1/1/2 Jahre alt und sie ist schwanger im 2. Monat. Fröhlich und offen mir gegenüber. Auch die jungen Männer machen einen guten Eindruck und verhalten sich sehr
anständig.
Auf dem Gelände befinden sich noch mehr Hauseinheiten, ein wenig nach Ländern getrennt.Also Syrer, Iraker, Iraner, Türken, Bangladeschi, etc. und die anderen bekamen wir nicht zu Gesicht. Mein Fazit, hört nicht auf die Nachrichten, nicht auf das Gerede, geht selbst hin und verschafft Euch einen persönlichen Eindruck. Nehmt euch Zeit und Geduld, vielleicht auch eine Patenschaft,
für einen Einzelnen, und überschätzt euch selbst nicht, verlangt nicht zu viel, Offenheit und Herzlichkeit hilft häufig mehr, als gut gemeinte Ratschläge.
Nicht über die Menschen reden, sondern mit ihnen, in aller Bescheidenheit.Keine riesigen Geschenke, schenkt ihnen euer Herz.
Denn die politische Ebene, die Offizielle Darstellungen und Sonntagsreden ist das eine,der persönliche Kontakt das andere. Ohne die ehrenamtlichen Helfer, die ach nicht immer
vor Ort sind. Geben sich große Mühe, ohne sie wären die Flüchlinge ganz verloren.
Was muß dieses Elend für die Kinder bedeuten???
In der Schule, wenn sie dann gehen dürfen, ist es für sie sehr schwer, sich wieder gut zu fühlen,denn sie müssen ganz von vorne wieder beginnen, vieles was bei uns völlig anders ist, anderes
bedeutet, die Verhaltensweisen, den Umgang hier mit uns zu verstehen, zu begreifen.

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2 Gedanken zu “Besuch bei Flüchlingsfamilie

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