2. Teil Monsieur Idi


Drei Tage später drückt der Wüstenwind auf die trockene sandige
Erde nieder,

über dem Haus verdächtiger Wolkenhimmel. In der Früh stehen 6
Senegalesen in

Arbeitsmontur im Hauseingang. Höflich huschen sie die Treppe
hinauf, um auf die obere

Terrasse zu gelangen, von dort klettern sie auf das marode Dach.
An dicken Seilen gesichert.

Sie müssen 2  alte Grasschichten
lösen, die Mischung aus Netzen, zerfetzen Folien Staub

Dreck, alles landet auf der unteren Terrasse und im Garten. Der
Sohn von Monsieur Idi, als

einziger nicht auf dem Dach, schaut hinauf, er scheint nicht
schwindelfrei zu sein.

Da steht Monsieur Idi im Eingang, in Arbeitskleidung, mit einem
Tuch um Kopf und Hals.

Wie ein altes Weiblein, bedauernswert, da Stimme nicht
funktioniert, versorge ich ihn erst mal

mit meinen Hausmitteln, da rennt er schon durch und um das Haus.
Seinen flinken Blicken

entgeht nichts. Er kontrolliert und gibt krächzend Anweisungen.
Legt selbst Hand an und hilft.

Die Angestellten haben Respekt, bei uns würde er ausgelacht, als
Alter abgestempelt und nicht

ernst genommen.               

 

Seine Arbeiter arbeiten fleißig und ganz fröhlich, kein lautes
Wort fällt. Arbeiten weiter mit Tee und

Weißbrot in der Hand, klettern wie die Affen auf dem Dach herum.
Dieses Bild bleibt in meinem Kopf.

Es wirkt so friedlich und ruhig. Auch Monsieur Idi geht
respektvoll mit seinen Leuten um.

Leise taucht er auf, leise entschwindet er. Erstaunlich, Not
macht erfinderisch, das alte Gras wir noch zum

Räuchern von Fisch benutzt, die alten Perlonnetze als Umzäunung
für Idis Schafen und Ziegen genutzt.

Selbst die alte Folie kommt bei uns noch zum Einsatz, als Schutz
bei den Malerarbeiten.

Das geschnittene Holzgeäst wird von den Frauen zum Kochen
gesammelt. So fällt kein Müll an.

Das finde ich bewundernswert und zur Nachahmung empfohlen.

Um nicht den Dreck und Staub ins Haus zu tragen, wird grob
gefegt.

Auch am zweiten Tag wird durchgearbeitet mit einer Ruhe, aber
sehr effizient. Die neue Folie wird

aneinandergeklebt, unter das Netz gelegt, aufgerollt und auf dem
Dach wieder auseinandergerollt,

festgebunden. Darüber die neuen Grasmatten, die festgebunden
werden, so halten sie Regen und

Wind, Staub und Sand ab. Es ist absolut dicht, hell und
freundlich. Nicht gestört wurden die Lebe-

wesen, die unter dem Dach Zuflucht finden. Die Arbeiter singen,
fröhlich waschen sie sich die Hände, ein frisches Getränk und müde zu wirken. Abgeschlossen
mit einem Ritual, zum Schutz und Dank

der Geister. Die fröhlich gestimmt sein müssen, die Tradition
haben wir eingehalten. Beinahe unbemerkt,

aber für mich angedeutet worden. Der Tag endet gut.

Monsieur Idi war etwas aufgeregt zwischendurch, da die Grasmatten
ausgegangen sind, er hatte doch

genau angegeben, wieviel wir einkaufen müssen. Da hat sich ein
Kalkulationsfehler eingeschlichen.

Monsieur Idi wird ungemütlich, denn er möchte seine Arbeit gut
machen, er trägt die Verantwortung,

die er ernst nimmt. Dank Handy nachbestellt und sogar mit dem
Auto nach 20 Minuten persönlich

vom Händler angeliefert.Sichtlich zufrieden steigt Idi aus dem
Auto, ohne Aufsehens, ohne Murren

wird die Arbeit beendet. Monsieur Idi erscheint wieder, fein umhüllt
mit seinem Duft und nimmt

persönlich sein Geld in Empfang. Ein schönes Ritual, nach erfolgreicher
Arbeit

Monsieur Idi hat wieder Stimme und einen weiteren bleibenden
Eindruck in meinen afrikanischen

Erlebnissen hinterlassen.                  

 

 

          

 

 

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